Multimodales Neuromonitoring
Forschungsbereich

Multimodales Neuromonitoring

Die nächste Generation der Gehirn- und Organüberwachung

Das menschliche Gehirn ist eines der komplexesten und empfindlichsten Organe des Körpers. Während einer Operation wirken zahlreiche Faktoren gleichzeitig auf die Gehirnfunktion ein – darunter Anästhesie, chirurgischer Stress, hämodynamische Veränderungen, Sauerstoffversorgung, Schmerzreize und individuelle Patientenfaktoren.

Dennoch wird die Gehirnfunktion in der klinischen Routine häufig nur indirekt überwacht.

AI²POC verfolgt deshalb einen multimodalen Neuromonitoring-Ansatz, der verschiedene physiologische Signale und Monitoringverfahren zu einem umfassenden Bild der individuellen Patientenphysiologie zusammenführt.

Unser Ziel ist es, die physiologischen Reaktionen des Patienten in Echtzeit zu verstehen, Risiken frühzeitig zu erkennen und eine präzisere, sicherere und individualisierte perioperative Versorgung zu ermöglichen.

Warum multimodales Neuromonitoring?

Kein einzelner Parameter kann die Komplexität der menschlichen Physiologie ausreichend beschreiben.

  • Ein Blutdruckwert allein sagt wenig über die zerebrale Sauerstoffversorgung aus.
  • Ein EEG allein erklärt nicht die zugrunde liegende Hämodynamik.
  • Ein Nociception-Index beschreibt nicht die tatsächliche Gehirnaktivität.

Erst die intelligente Kombination verschiedener Informationsquellen ermöglicht ein umfassendes Verständnis der physiologischen Situation eines Patienten. Multimodales Neuromonitoring verbindet deshalb unterschiedliche Signale zu einem integrierten physiologischen Gesamtbild.

Plattform

Unsere Monitoring-Plattform

Elektroenzephalographie (EEG)

Das EEG ermöglicht die direkte Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns.

Schwerpunkte
  • Roh-EEG
  • Spektralanalyse
  • Burst Suppression
  • Altersabhängige EEG-Muster
  • Individualisierte Anästhesiesteuerung

Die kontinuierliche Analyse neuronaler Aktivität liefert wertvolle Informationen über die Gehirnfunktion während der Anästhesie.

Density Spectral Array (DSA)

Das Density Spectral Array ermöglicht die Visualisierung komplexer EEG-Muster in Echtzeit.

Schwerpunkte
  • Erkennung tiefer Anästhesiezustände
  • Identifikation von Burst Suppression
  • Bewertung altersabhängiger Veränderungen
  • Analyse von Erholungsprozessen

AI²POC nutzt DSA-Daten klinisch und wissenschaftlich zur Entwicklung neuer Biomarker für die perioperative Neuroprotektion.

Zerebrale Oxymetrie (NIRS)

Die Nahinfrarotspektroskopie erlaubt die kontinuierliche Messung der regionalen Sauerstoffversorgung des Gehirns.

Schwerpunkte
  • Hochrisikochirurgie
  • Gefäßchirurgie
  • Ältere Patienten
  • Neurokognitive Risikopatienten

Die frühzeitige Erkennung zerebraler Minderperfusion ermöglicht gezielte Interventionen zur Vermeidung neurologischer Schäden.

Nociception Monitoring

Die objektive Erfassung nozizeptiver Belastungen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Schwerpunkte
  • NOL Monitoring
  • Stressreaktionen während Operationen
  • Individualisierte Analgesiekonzepte
  • Zusammenhang zwischen Nozizeption und postoperativen Outcomes

Die ENiMoN-Studienplattform bildet hierfür die wissenschaftliche Grundlage.

Hämodynamisches Monitoring

Das Gehirn ist unmittelbar von einer stabilen Organperfusion abhängig.

Schwerpunkte
  • Invasive Blutdruckkurven
  • Herzfrequenzvariabilität
  • Schlagvolumenparameter
  • Perfusionsmarker
  • Beat-to-Beat-Analysen

Diese Parameter fließen in unsere multimodalen Datensätze ein und erlauben eine ganzheitliche Bewertung der Patientenphysiologie.

Integration

Von isolierten Messwerten zur integrierten Physiologie

Unser Ansatz geht weit über die Darstellung einzelner Monitoringparameter hinaus. Wir analysieren physiologische Systeme als miteinander verknüpfte Einheit:

EEGDSANIRSNOLHämodynamikBeatmungMedikamente

Dadurch entsteht ein digitales Abbild der intraoperativen Patientenphysiologie – die Grundlage für KI-gestützte Vorhersagen, individualisierte Therapie­entscheidungen und eine neue Qualität der perioperativen Versorgung.

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